Fifa-Pläne für Teilverkauf von Fußball-WM sorgen für Kritik in deutscher Politik
Sportpolitiker im Deutschen Bundestag haben eindringlich vor den Plänen des Weltfußballverbandes Fifa für einen Verkauf von Anteilen an der Weltmeisterschaft an private Investoren gewarnt. "Der Investoren-Plan der Fifa gibt Anlass zur Sorge, denn er lässt außer Acht, dass die Fifa ein Sportverband und kein Konzern ist", sagte der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Stephan Mayer (CSU), am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP in Berlin.
Die Fifa müsse "berücksichtigen, dass der Fußball ein weltumspannendes Kulturgut ist, das vor allem den Fans gehört", sagte der CSU-Abgeordnete. "Ohne deren Unterstützung ist der Fußball nichts, und diese Unterstützung droht die Fifa gerade zu verlieren."
Unverständnis äußerte auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Tina Winklmann, die Sprecherin für Sport und Ehrenamt in ihrer Fraktion ist. "Eine Fußball-WM ist kein Anlageprodukt", sagte Winklmann zu AFP. "Der Fußball gehört den Menschen, die ihn spielen, organisieren und lieben - nicht der Fifa-Führung und erst recht nicht privaten Kapitalgebern." Die Grünen-Politikerin warnte: "Wer zentrale Rechte und den Turnierbetrieb für Investoren öffnet, verkauft nicht einfach Anteile an einer Firma. Er verändert, wem der Fußball künftig verpflichtet ist."
Der Weltfußballverband hatte am Dienstag erklärt, er wolle ein neues Unternehmen gründen, die Fifa Forward Enterprise (FFE), welches die Rechte an der Austragung von Fußballturnieren halten würde. Im Laufe dieses Jahres sollten dann 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) durch die "sorgfältige Auswahl langfristiger Investoren" eingenommen werden.
Demnach sollen "Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollbefugnis" veräußert werden. Der Verband werde "die alleinige Kontrolle über die FFE" behalten und weiter über Wettbewerbe, Spielpläne, Regeln und sportliche Verfahren entscheiden, versicherte die Fifa.
Die Fifa muss ihr Vorhaben noch vom 38-köpfigen Fifa-Rat und der Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände genehmigen lassen. Sie wolle dem Rat die Pläne in Kürze vorlegen, kündigte sie an. Fifa-Chef Gianni Infantino wirbt bei den Mitgliedsverbänden auch mit dem Argument um Zustimmung, dass diese jährlich höhere Zahlungen erhielten.
Die Grünen-Sportpolitikerin Winklmann kritisierte dieses Vorgehen als "inakzeptabel". Den Mitgliedsverbänden würden hohe zusätzliche Zahlungen versprochen, zugleich sollten sie innerhalb weniger Wochen zustimmen. "So setzt man Verbände unter Druck, statt offen über die Zukunft des Fußballs zu entscheiden", sagte Winklmann. "Private Investoren stellen Milliarden nicht aus Liebe zum Spiel bereit. Sie wollen Rendite. Damit wächst der Druck auf noch mehr Spiele, noch mehr Vermarktung und noch weniger Rücksicht auf die Aktiven und die Fans."
Die Pläne der Fifa sorgten weltweit für Empörung. Auch der europäische Verband Uefa bringt sich dagegen in Stellung.
Y.X. Gagnon--SMC